Atomausstieg: Inkonsequenter Abschied von der Kernenergie

Atomgegner fordern seit Jahrzehnten den Ausstieg aus der Kernenergie. Doch während in Österreich in den 70er Jahren das erste gebaute Kraftwerk gar nicht erst in Betrieb genommen wurde, haben sich die Deutschen sehr lange auf der Atomkraft verlassen. Nun ist die Bundesrepublik allerdings auf dem Weg in eine atomfreie Energieversorgung. Dabei bewegt sich die Bundesregierung aber für jeden Schritt vorwärts zwei Schritte zurück.

Warum Atomausstieg notwendig ist

Atomkraftwerke galten und gelten vielen Ländern als saubere Form der Energiegewinnung und damit als Alternative zu Strom aus Kohle oder Gas. Doch spätestens seit der Katastrophe von Tschernobyl und dem Zwischenfall in Fukushima wissen die Menschen, dass sowohl technische Probleme als auch äußere Einwirkungen wie Naturkatastrophen im schlimmsten Fall verheerende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben können. Daher wird immer wieder der Ruf laut nach einem Abschied von der Nuklearenergie.

Hin und her beim Atomausstieg

Nachdem die erste rot-grünen Bundesregierung unter Altkanzler Gerhard Schröder bereits mit dem Ausstieg aus der Atomenergie begonnen hatte, verlängerte die schwarz-gelbe Regierung unter Angela Merkel die Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke. Damit war dem Vorhaben, sich besser auf den Ausbau von erneuerbaren Energien zu konzentrieren, erst einmal ein deutlicher Dämpfer verpasst. Erst durch die Fukushima-Katastrophe infolge das Tsunamis, der weite Teile Japans verwüstete, lenkten Merkel und Co. angesichts der Ablehnung und Ausstiegsforderungen in der Bevölkerung ein und verkündeten einen neuen Plan zum Atomausstieg.

Regierung ermöglicht teure Klagen

Leider hat die Koalition dabei den Energiekonzernen in die Hände gespielt. So ermöglichte die Politik den Unternehmen hohe Schadensersatzforderungen, da bei der Reaktorschnellabschaltung direkt nach dem Unglück wichtige Richtlinien nicht eingehalten wurden. Dabei hatte die Fachabteilung des Umweltministeriums vor möglichen Klagen gewarnt. Wie sehr sich der Atomausstieg durch die Forderungen verteuern wird, ist bisher unklar. Derzeit sind mehr als 30 Klagen anhängig. Fest steht, dass die letzten Atommeiler nach aktueller Gesetzeslage 2022 vom Netz genommen werden müssen.

Was die Koalition jetzt machen muss

Die jetzige Koalition und die nachfolgenden Regierungen müssen in den nächsten Jahren weitaus konsequenter werden, was die Förderung von erneuerbaren Energien anbelangt. Ansonsten wird es gerade für Verbraucher zu einer erheblichen Belastung durch steigende Energiepreise kommen. Immerhin ist bis 2017 eine Umstellung des derzeitigen Modells mit fester Vergütung auf eine Förderung im Wettbewerb geplant. Auf diese Weise soll am Ende auch der Verbraucher entlastet werden, indem die Preise trotz der Abkehr vom Atomstrom stabil gehalten werden können. Damit der Atomausstieg das deutsche Versorgungsnetz nicht überfordert sind aber auch an anderer Stelle gesetzliche Regelungen vonnöten: Beim Energieverbrauch in der Industrie. Hier gibt es vonseiten der Koalition aber noch erheblichen Nachholbedarf.