Berufsunfähigkeitsversicherung: Die vermasselte Förderung

Bei vielen Gesetzesvorhaben ist der Grund für die Neuregelung lobenswert. Nicht anders ist es bei dem Plan gewesen, die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) staatlich zu fördern, um so den finanziellen Schutz bei Berufsunfähigkeit attraktiver zu gestalten. Doch die Voraussetzungen, an denen die Förderung geknüpft ist, sind derart unsinnig, dass bisher noch kein Versicherer entsprechende Tarife anbietet.

Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. So kann man wohl am besten zusammenfassen, was die schwarz-gelbe Koalition in den letzten Monaten ihrer Regierungszeit im Juli 2013 auf dem Weg brachte. Die Situation war und ist folgende:

Die staatlichen Leistungen bei Berufsunfähigkeit sind schon lange gestrichen und die Höhe der Erwerbsminderungsrente, die Betroffene nur unter sehr engen Voraussetzungen bekommen, reicht nicht aus, um Einkommenseinbußen durch den Verlust der Arbeitskraft auszugleichen. Daher ist private Vorsorge notwendig. Doch obwohl die Wahrscheinlichkeit hoch ist, vor Beginn des Rentenalters berufsunfähig zu werden, wollen sich nur wenige Verbraucher mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern. Dies sollte sich mit der Einführung des sogenannten Altersvorsorge-Verbesserungsgesetzes ändern. Doch der große Wurf ist der Koalition damit nicht gelungen. Und von der aktuellen Großen Koalition scheint das Problem ignoriert zu werden.

Lebenslange Zahlung der BU-Rente erweist sich als fatale Bedingung

Das Gesetz baut die Möglichkeit aus, „sich steuerlich gefördert gegen das Risiko der Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit abzusichern. Aufwendungen für einen zertifizierten Absicherungsvertrag können ab 2014 im Rahmen des Abzugsvolumens der Basisversorgung geltend gemacht werden“, so das Bundesfinanzministerium. Konkret bedeutet dies, dass Versicherte theoretisch Beiträge in Höhe von maximal 22.172 Euro (Stand 2015) pro Jahr in ihrer Steuererklärung angeben können. Praktisch nutzt jedoch niemand die Option, da es keinen Versicherer gibt, der solche Verträge anbietet. Der Grund: Steuerlich geförderte Berufsunfähigkeitsversicherungen sollen nicht nur bis zum Renteneintritt eine BU-Rente zahlen, sondern lebenslang.

Kein Anbieter wagt sich mit neuem BU-Tarif auf den Markt

Die Kopplung der steuerlichen Förderungen an eine längere Leistungsdauer führt dazu, dass die Versicherer höhere Beiträge verlangen müssten, um gegebenenfalls lebenslange Zahlungen zu garantieren. Einer Einschätzung des Finanzdienstleisters MLP zufolge würden die Beiträge der neuartigen Tarife daher doppelt so hoch wie bisher ausfallen. Diese Prämienerhöhung können durch die Steuervorteile schwerlich bis gar nicht ausgeglichen werden. Die Konsequenz: Versicherungsunternehmen verzichten bisher darauf, entsprechende Tarife auf den Markt zu bringen, da es dafür kaum Interessenten gäbe.

Koalition verfehlt Ziel mehr als deutlich

Bleiben die Dinge, wie sie sind, droht die staatliche geförderte Berufsunfähigkeitsversicherung zu einem Eliteprodukt zu werden, sollte es einmal entsprechende Angebote geben. Denn Gutverdiener könnten durchaus von der Förderung profitieren. Sie haben jedoch schon jetzt die finanziellen Mittel, um sich abzusichern. Doch für Geringverdiener, die sich aufgrund der Kosten eher zögerlich mit der Versicherung auseinandersetzen und am stärksten gefördert werden müssten, bleiben außen vor. Das Ziel der Koalition, den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung attraktiver zu gestalten, ist damit weit verfehlt worden.