Riester Rente: Wann wird die geförderte Altersvorsorge endlich gerechter?

Mit der Riester Rente wurde 2002 eine private, staatliche geförderte Altersvorsorge als Ausgleich zu den sinkenden Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt. Doch seit Jahren steht die Riester Rente in der Kritik. Die bisherigen regierenden Koalitionen taten allerdings nur wenig, um für wirkliche Verbesserungen zu sorgen – ebenso wie die derzeitige Große Koalition.

Die Riester Rente ist ein Produkt der rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder, die zwischen 1998 und 2005 regierte. Die Einführung einer staatlich geförderten Altersvorsorge stellte dabei einen zentralen Punkt der Rentenreform von 2001 dar. Seit 2002 ist das Riestern in Deutschland möglich. Nachdem sich diese Altersvorsorgeform jahrelang hoher Beliebtheit erfreut hat, stagniert seit einiger Zeit die Zahl der abgeschlossenen Riester-Verträge. Gründe dafür gibt es mehrere, zum Beispiel

  • Intransparenz der Verträge
  • Hohe Abschlusskosten
  • Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter

Doch obwohl diese Missstände bekannt sind, haben die jeweiligen Regierungsparteien bisher nur wenig getan, um die Riester Rente zukunftsfest zu machen.

Was die Koalition gegen Intransparenz und hohe Kosten getan hat

2013 wurde unter Feder der schwarz-gelben Regierung (2009-2013) das sogenannte Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz eingeführt. Mit den dadurch vorgenommenen Änderungen sollte die Riester Rente „für den Anleger transparenter und besser vergleichbar“ werden, so das Bundesfinanzministerium. Dazu wurden einheitlich gestaltete Produktinformationsblätter eingeführt, mit denen Interessierte drei wesentliche Kriterien miteinander vergleichen können. Diese sind:

  • Chance und Risiken
  • Garantien
  • Kosten

Koalition gewährt Versicherern viel Zeit, um transparenter zu werden

Für die Bewertung von Chance und Risiko werden fünf Klassen genutzt, um Verbrauchern zu verdeutlichen, wie sicherheits- bzw. risikoorientiert der jeweilige Riester Rente Tarif ist. Dabei sind die Versicherer angehalten, für vier verschiedene Vertragslaufzeiten die entsprechende Chancen-Risiko-Klasse anzugeben. Unter dem Punkt Kosten sind dagegen die Abschluss- und Vertriebskosten anzugeben. Auch die Verwaltungskosten müssen für das erste Versicherungsjahr ausgewiesen werden.

So weit, so gut. Doch obwohl es nur um die Einführung eines Informationsblatts geht, haben die Versicherungsunternehmen bis 2017 Zeit, die entsprechenden Regelungen umzusetzen. Ein wahres Interesse daran, die Riester Rente transparenter zu machen, kann man bei der aktuellen schwarz-roten Koalition (regiert von 2013 bis 2017) daher nicht erkennen.

Problem Grundsicherung im Alter: Umsonst geriestert

Während sich Fragen zu Versicherungsbedingungen und Kosten gegebenenfalls durch eine Beratung klären lassen, kränkelt die Riester Rente an einem anderen, wesentlich schwerwiegenden Problem herum. Obwohl mehrere Studien zeigen, etwa von der Deutschen Rentenversicherung, dass sich diese staatlich geförderte Altersvorsorge insbesondere für Geringverdiener mit mehreren Kindern lohnt, zahlt sich das Riestern für sie unter Umständen nicht aus. Denn wer im Alter aufgrund zu geringer Rentenansprüche auf die sogenannte Grundsicherung im Alter angewiesen ist, muss hinnehmen, dass die privat angesparte Rente aus dem Riester-Vertrag auf die Sozialleistung angerechnet wird.

Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass die staatliche Leistung für Personen, die nie einen Cent für ihr finanzielles Polster im Alter angespart haben, genauso hoch ist wie für Menschen, die gegebenenfalls Abstriche etwa beim Konsum gemacht haben, um Beiträge für ihre Altersvorsorge zu zahlen. Wer aufgrund der anhaltenden Kritik seine Riester Rente kündigen will, sollte allerdings kurz innehalten, denn eine Kündigung bringt viele Nachteile mit sich. Den Vertrag „beitragsfrei“ zu stellen ist in fast allen Fällen die bessere Wahl.

Untätige Koalition: Keine Verbesserungen bei Grundzulage in Sicht

Angesichts dieser Ungerechtigkeit wird seit längerem gefordert, die Anrechnung auf die Grundsicherung aufzuheben. Doch bisher bleibt die Koalition tatenlos. Auch in einem weiteren Punkt möchte die Regierung derzeit nicht gegenlenken, um die Attraktivität der Riester Rente zu stärken. Seit 2002 ist die staatliche Grundzulage von 154 Euro, auf die jeder Sparer jährlich Anspruch hat, unverändert geblieben. Daher setzt sich beispielsweise der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft für eine Dynamisierung der Förderung ein. Die Zulage müsste demnach um mindestens 200 Euro erhöht werden. Doch ein entsprechender Gesetzentwurf lässt auf sich warten.